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Frage: Sag mal Collien, überall finden Castings statt – macht es für Nachwuchsmodels überhaupt Sinn, da noch zu möglichst vielen hinzugehen?
Collien: Ich finde jedes Casting, was gemacht wird, sehr gut, weil es schon sehr schwer ist, in die Branche reinzukommen. Da hilft es natürlich sehr, wenn man unterstützt wird oder vielleicht bei einem Contest entdeckt wird.
Frage: Wie geht man denn mit all den Rückschlägen um, die man ja sicher auch einstecken muss?
Collien: Ich bin immer auf sehr viele Castings gegangen. Beim Moderieren war es schwieriger. Da gibt es unglaublich viele Shows, die produziert werden, und ich bin zu vielen Castings gegangen und dann hieß es immer: „Ja, total super, aber wir hätten gern‘ne Blonde, nein, wir hätten gern ‘ne Größere, wir hätten gern ‘ne Dunklere“. Irgendwie war ich immer bis kurz davor – aber nie am Ziel. Man darf sich von so etwas nicht unterkriegen lassen, man muss einfach immer weiter machen und sich von solchen Niederlagen nicht unterkriegen lassen.
Frage: Kratzt das nicht am Selbstwertgefühl?
Collien: Keineswegs. Fürs Selbstwertgefühl ist das sogar wichtig, denn man weiß, ich habe mich jetzt gegen so und so viele Leute durchgesetzt, das wird schon klappen.
Frage: Man lacht ja öfters auch mal über Models, die über den Laufsteg stolpern. Ich kann mir vorstellen, dass das wohl das Schlimmste ist, was passieren kann, oder?
Collien: Schon. Aber beim Gehen ist es natürlich wichtig, dass man nicht zu große Schritte macht und nicht zu trampelig wirkt. Vor allem wenn man High Heels anhat, ist das natürlich auch ein bisschen schwer. Man sollte kleine Schritte machen, möglichst die Beine dabei kreuzen und ein wenig mit den Hüften wackeln, aber nicht zu viel.“
Frage: Stimmt es eigentlich, dass Models lernen, gelangweilt zu schauen?
Collien: (lacht) Man muss natürlich bewusst gelangweilt schauen. Das heißt, wenn man einfach nur so schaut und dabei entgleisen dann die Gesichtszüge - das sieht natürlich nicht besonders elegant aus.
Frage: Nenn doch mal ein Beispiel.
Collien: Gern. Eigentlich hat Paris Hilton das gelangweilte Schauen perfektioniert. Sie guckt immer auf eine sehr arrogante, unnahbare Art gelangweilt und das machen viele Models. Die haben ihr das - glaube ich – nachgemacht: Vor allem dieses „ich bin etwas Besseres“.
Frage: Und stehen? Wie steht man denn richtig als Model?
Collien: (wehrt lachend ab) Es gibt ja mindestens eine Million verschiedene Arten, wie man stehen kann. Man sollte natürlich nicht irgendwie wie ein Bauer in der Ecke stehen. Und vor allem, was sehr grazil rüberkommt, ist, wenn man einen Arm in der Hüfte abwinkelt und den anderen ein wenig baumeln lässt. Das sieht am elegantesten aus. Man darf einfach nicht zu verkrampft sein beim Herumstehen. Ich denke jetzt an eine Cocktailparty, wo man ein Glas Sekt in der Hand hat und dann, wenn man etwas erzählt, mit der einen Hand gestikulieren kann. Also: Möglichst locker sein.
Frage: Viele hübsche Mädchen halten sich aber gar nicht für so hübsch.
Collien: Das stimmt. Ich kann nur jedem sagen: Traut euch, mitzumachen, weil man sehr oft zu Hause herumsitzt und denkt „Ach, warum sollen die denn gerade mich nehmen?“ So ging es mir auch bei meinen ersten Castings. Aber man kann nur rausfinden, ob man das Zeug dazu hat oder nicht, wenn man mitmacht. Ich kann jedem nur raten: kommt unbedingt vorbei. Macht mit. Am Ende werden ja gar nicht so 08/15-Models gesucht, sondern diejenigen, die etwas Besonderes haben, das besondere Etwas. Die Eine 2008.
Frage: Model sein bedeutet aber doch sicher auch, dass man ständig top aussehen muss, oder?
Collien: Im Gegenteil. Es ist sehr wichtig, dass man als angehendes Model nicht zu aufgebrezelt erscheint. Ehrlich! Keiner möchte Models sehen, die tonnenweise Schminke im Gesicht haben, weil es ja wichtig ist, auch etwas von der Person zu sehen, und wenn die Person sich hinter riesigen Kleidern und Highheels und tonnenweise Make-up und hochfrisierten Haaren versteckt, dann erkennt man von der eigentlichen Person nichts. Ein bisschen schminken – ja. Aber eher dezent, die Haare sehr dezent gemacht und natürliche Sachen anziehen, so dass die Leute die Models suchen, wirklich erkennen, was dahinter steckt und für welche Kampagnen das Mädchen sich vielleicht eignet. Es ist wichtig, dass man selbstbewusst auftritt - vielleicht vorm Spiegel mal Posen üben, Lachen üben und dann kann eigentlich nichts schiefgehen.“
Frage: Wie bereitet man sich denn am besten vor?
Collien: Vorbereitung ist verdammt wichtig. Das unterschätzen viele. Ich bin zum Beispiel auch ohne Vorbereitung ein paar Mal richtig auf die Nase gefallen, weil man sich einfach auf andere Leute verlassen hat, die gesagt haben „Ja, wir machen das für dich, du musst das nicht machen. Wir besorgen dir die Infozettel, du musst nicht irgendetwas im Internet selbst herausfinden“. Und dann stehst Du da mit diesen Leuten und sagst: „Meine Infozettel bitte“. Peinlich ist es, wenn die dir dann sagen „Ach, das tut mir Leid, ich hab das vergessen“. Da verlässt man sich besser nur auf sich selbst. Und wenn man iirgendwo zu einem Job fährt, dann sollte man genau recherchieren, was das für eine Firma ist, was die machen. Und vor allem, dass man dann nicht vor dem Geschäftsführer steht uns sagt „Sie machen aber schöne Lippenstifte“ – und die Firma Autoreifen herstellt.
Frage: Stimmt eigentlich das Vorurteil, dass Models nur wandelnde Kleiderstangen sind?
Collien: Nein. Mir ist bei einem Model sehr wichtig, dass da auch inhaltlich etwas rüberkommt. Es gibt Mädels, die sind eine total schöne Hülle, im Bikini sehen die wunderbar aus, aber wehe, sie fangen an zu sprechen. Viele Models sind innen tot. Es ist natürlich sehr wichtig, dass man auch bewusst lebt, gerne lacht und genauso gerne Model ist. Bei Shootings kann man ja nicht einfach nur da herumstehen und Schön sein, sondern muss Spaß daran haben, was man macht.
Frage: Hat man als Model überhaupt noch ein Privatleben?
Collien: Es ist sehr wichtig, dass man sich in seiner Freizeit zurückzieht, um die Energie für den Job überhaupt aufbringen zu können. Wenn man in seiner Freizeit auch die ganze Zeit immer unter Beobachtung steht, dann kann man irgendwann nicht mehr richtig abschalten. Ich bin überzeugt, dass man in seiner Freizeit abschalten muss, um dann im Job wieder voll präsent zu sein.
Frage: Aber auch in der Freizeit wird viel vor dem Spiegel gestanden. Vor allem bei den Haaren.
Collien: (lächelt milde) Naja. Das mit den Haaren ist so eine Sache bei uns Frauen. Männer denken ja immer, wir stehen so auf und die Haare sitzen so, wie sie sitzen. Das, was vielleicht manchmal sehr natürlich aussieht, ist oft stundenlange Arbeit. Da wird mit irgendwelchen Glätteeisen und Lockenstäben rumonduliert, bis wirklich alles da sitzt, wo es hingehört. Am besten ist es, wenn es unfrisiert aussieht, was natürlich nicht bedeutet, dass man wirklich unfrisiert rausgehen sollte. Und wenn man dann gefragt wird, sagt man ganz selbstverständlich „Ja, ich steh morgens so auf, wieso?“
Frage: Ist das Leben als Model eigentlich harte Arbeit? Mal Hand aufs Herz, Collien.
Collien: Model sein ist kein Spaziergang. Viele denken: Das ist so ein bisschen Tralala; mal kurz drei, vier Fotos machen und dann nach Hause gehen. Es kann wirklich sehr sehr anstrengend sein. Ich hatte das mal in Südafrika. Da saß ich in eisig kaltem Wasser und musste trotzdem dabei total nett und charmant in die Kamera lächeln und ich hab wirklich gedacht, mir stirbt gleich alles ab. Das darf man sich wirklich nicht zu leicht vorstellen. So‘n bisschen Zuckerschlecken, über rote Teppiche rennen und ein bisschen Model sein. Man muss teilweise wirklich lang in unbequemen Sachen rumstehen, die mit zwanzigtausend Stecknadeln hinten festgepinnt sind. Und man muss bereit sein viel arbeiten zu wollen und muss vor allem auch von der Kondition her mal so einen langen Shooting-Tag aushalten. Ehrlich: Leute, die nicht bereit sind zu arbeiten, die haben auch als Model nichts verloren.
Frage: Aber die meisten fangen doch schon sehr früh an, oder?
Collien: Ich war in einer Kindermodelagentur, hab also sehr früh angefangen mit Modeljobs. Und vor allem die Castings sind enorm wichtig. Wenn man wirklich als Model etwas werden möchte, dann muss man auch herumgehen und schauen, dass die Mappe immer aktuell ist. Möglichst immer dran bleiben, viele Fotos machen, die Mappe aktuell halten und auf viele ‚Go-See‘ gehen um die Kunden kennenzulernen und sich für irgendwelche Jobs vorzustellen.
Frage: Und alle Models leiden Hunger?
Collien: Nein. Aber es ist sehr wichtig, dass man sich gesund ernährt. Das hat gar nichts mit Schlanksein zu tun, sondern dass man einfach natürlicher und gesünder aussieht. Dabei ist es vor allem auch sehr wichtig, dass man Sport macht und viel schläft. Man muss halt fit sein für den ganzen Job. Ein Fotoshooting kann auch mal bis zu 20 Stunden dauern. Dann sieht man einfach nicht frisch aus, wenn man keinen Sport macht, wenig schläft und sich ungesund ernährt.
Frage: Muss man sich eigentlich als Prominenter an so etwas wie den Dresscode halten, wenn man eigenladen ist, oder gibt es da einen Promi-Bonus?
Collien: Leider nicht. Einmal bin ich auf eine Party gegangen, auf eine Veranstaltung im KDW, Das war relativ schick – Typklasse Champagnerempfang. Auf der Einladung stand „Dresscode Black“. Das hatte man mir aber nicht gesagt und deswegen bin ich natürlic in einem weißen Kleid hingegangen. Auf einmal standen alle Menschen in Schwarz da, ich hab mich ein wenig gewundert und eine prominente Dame, ich möchte nicht sagen wer, kam auf mich zu und hat gesagt: „Ey, ich möchte ja nichts sagen, aber hier ist Dresscode Black“. Das war mir sehr unangenehm, ich glaub, ich war ungefähr noch zehn Minuten da und dann bin ich nach Hause gegangen.
Frage: Und bei anderen öffentlichen Anlässen? Gab es da schon mal eine richtige Panne?
Collien: Oh ja – sowas vergisst du nicht. Es war bei der Bravo Super Show. Da hatte ich ein selbstgenähtes Kleid an. Und vorher schon haben einige Leute zu mir gesagt „Oh, hast du das denn gut vernäht, hält denn das auch?“ Naja. Aber dann kam die Showtreppe. Die musste man hinter der Bühne erst hoch laufen, um sie dann hinterher hinabschreiten zu können. Und kurz bevor ich auf der Bühne zu sehen war, riss mein Kleid. Und das nicht nur ein wenig: Ich stand quasi mit nacktem Po da. Da helfen dann nur Sicherheitsnadeln. Es kamen dann einige Stylistinnen mit Sicherheitsnadeln angerannt, haben das festgetackert – und dann kann man nur noch hoffen, dass das hält.
Frage: Hat es?
Collien: Ja. Gott sei Dank.
Frage: Hast du denn zu Hause viele Klamotten?
Collien: Oh ja. Ich habe sogar ein Ankleidezimmer. Da gehe ich morgens rein und denke: „Hier ist nix drin, ich hab nix anzuziehen“ und das Zimmer platzt aus allen Nähten. Das kommt vermutlich davon, weil man die Sachen die man trägt, so über hat, dass man immer nur die neuen Sachen tragen möchte. Und wenn die abgetragen sind, will man das auch nicht mehr. Und das ist ein riesen Problem für uns Frauen. Deswegen sollte man vielleicht Dinge, die man hat, ein wenig aufpimpen oder einfach mal in einer anderen Kombination tragen. Ich hab da teilweise in den hintersten Ecken Klamotten gefunden, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.
Frage: Models machen ja viel mit Werbung. Ist es da eigentlich egal, wofür man wirbt – Hauptsache die Kohle stimmt?
Collien: Auf keinen Fall. Es ist sehr wichtig, dass die Firma, für die man wirbt, zu einem passt. Paris Hilton zum Beispiel hat mal für Yello geworben und wusste nur, dass sie immer gelbe Sachen anziehen musste, aber überhaupt nicht, warum. Sie hat vermutlich gedacht Na ja, die machen irgendetwas mit Strom, oder Internet oder Telefon. Man sollte sich informieren über die Firma, für die man wirbt und man sollte mit dieser Firma zusammenpassen, weil es gar keinen Sinn macht, für High Heels zu werben, wenn man selbst High Heels hasst.
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